Kommentar zu: Ryanair gegen alle – alle gegen Ryanair in der Republik
«Mallorca ab 24,99 Euro» steht derzeit auf der Homepage des irischen Billigfliegers. Verlockend. Doch sein gesamtes Geschäftsmodell ist in vielerlei Hinsicht illegal.
Ryanairs Strategie beruht fundamental auf billigen Arbeitskräften. Diese sind verfügbar, weil es in Europa seit der Finanzkrise / Eurokrise Arbeitslosigkeit en masse gibt (Spanien: 13 %, Griechenland: 11.6 %, Italien 7.8 % (Dez. 2022)). Daraus resultiert ein Machtgefälle: auf der einen Seite Ryanair und seine Anwälte, auf der anderen Seite Arbeitnehmende, welche versuchen über die Runden zu kommen. Für eine Firma ist ein 10-jähriges Gerichtsverfahren einpreisbar in die Unternehmensstrategie. Für den Arbeitnehmenden sind 10 Jahre 1/4 seines Erwerbslebens, welches man eher nicht mit kräftezehrenden Gerichtsverfahren verbringen will.
Es bräuchte institutionelle Massnahmen auf europäischer Ebene, um diese Machtasymmetrie zu durchbrechen. Mindestlöhne und gewerkschaftsstärkende Gesetze wären konventionelle Massnahmen. Das Recht auf Arbeit, welches in der Allgemeinen Erklärung der Menschrechte verankert ist (Artikel 23), mit einer Jobgarantie zu untermauern wäre wohl jedoch am effektivsten, denn, wenn jede Person die Möglichkeit hat in ihrer Heimat ein existenzsicherndes Einkommen zu generieren, müssten sich die Unternehmen um gute Mitarbeitende bemühen. Die fehlende Outside-Option für Viele in Europa spielt Unternehmen wie Ryanair zu sehr in die Hände.