Kommentar zur SRF Dokumentation: Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly
https://www.srf.ch/play/tv/-/video/-?urn=urn:srf:video:7219442a-0690-49a5-b6d1-457927e7a403
Die Dokumentation anzuschauen lohnt sich schon allein wegen der Aussagen des Vertreters der Rentierklasse. Genug selten stellen sie sich den Fragen von Journalist:innen. Darüber hinaus ist es ein kurzweiliger, jedoch etwas oberflächlicher Film, der nach dem üblichen Schema vorgeht: Verdrängungsschicksale, Politiker:innen verschiedenster Couleur (weniger Bürokratie sagen die einen, mehr soziales Wohnen die anderen) und ein paar Aussagen von Expert:innen. Zwei Schlüsselthemen werden jedoch komplett vernachlässigt:
1) Das Geldsystem als preistreibende Kraft. 1200 Milliarden aus dem Nichts erschaffene Schweizer Franken in Form von Hypothekarkrediten fliessen in den Immobilienmarkt und treiben die Immobilienpreise in die Höhe. Diese Asset-Price-Inflation wird grösstenteils ignoriert oder nicht verstanden, weshalb auch nichts dagegen unternommen wird - weder von der Politik noch von den dafür zuständigen technokratischen Institutionen.
2) Das zweite Thema, das nicht einmal am Rande gestreift wird, ist das Fehlen einer kohärenten inneren Geopolitik. Wenn jeder Kanton im Wettbewerb mit der Restschweiz stehen soll, weil Wettbewerb auf allen Ebenen der heilige Gral der heutigen Gesellschaftsordnung ist, muss man sich nicht wundern, dass jeder einzelne Kanton alles dafür tut, möglichst viele Arbeitsplätze auf sein Kantonsgebiet zu holen. Der Kanton Zürich war diesbezüglich in den letzten Jahren extrem erfolgreich, was sich in einer hohen Anzahl Arbeitsplätze pro Einwohner:in ausdrückt. Die Existenz vieler Arbeitsplätze in einer Region bedeutet automatisch eine hohe Immobiliennachfrage, was Druck auf das Immobiliensystem erzeugt. Eine aktive innere Geopolitik würde jedoch bedeuten, dass sich die Kantone koordinieren und gegenseitige wirtschaftliche Entwicklung unterstützen, damit Arbeitsplätze besser verteilt sind und somit auch der Druck in den wirtschaftlichen Boomregionen reduziert wird. Gleichmässigere Wohlstandszuwächse würden so möglich. Aber Koordination ist das Gegenteil von kaltem Wettbewerb, und darüber nachzudenken, wie diese Koordination etabliert werden könnte, ist heutzutage verpönt.
Eine einstündige Dokumentation kann nicht alles leisten. Wenn nach der Abstimmung vom 8. März die SRG nicht komplett zerdeppert wird, wäre ein zweiter Teil zu diesen systemischen Aspekten der Schweizer Wohnungskrise eine willkommene Ergänzung.